Erster Weltkrieg

Sykes-Picot-Agreement (1)
Sykes-Picot-Agreement. Rot: Großbritannien, blau: Frankreich (1)

Inmitten des Ersten Weltkriegs teilen die Briten und Franzosen dasjenige Hoheitsgebiet des Osmanischen Reiches, welches heute Syrien, den Libanon, Palästina, Jordanien und den Irak umfasst, unter sich auf: Während die Grenzlinie ursprünglich zwischen Acre (Hafenstadt in Palästina) und Kirkuk (Nordirak) verlaufen sollte (Sykes-Picot-Abkommen 1916), gelingt es den Briten nach Kriegsende, auch das ölreiche Gebiet um Mosul in ihr Mandatsgebiet einzuverleiben, indem sie den Franzosen als Entschädigung die Konzessionen, die der osmanische Herrscher den Deutschen im Rahmen des Baus der Berlin-Bagdad-Bahn gewährt hatte, zusprechen.
Die Ziele der Briten sind im Wesentlichen die Sicherung der Ölvorkommen im Irak sowie die Schaffung eines durchgängigen Gürtels britischer Herrschaft von der Hafenstadt Basra am Persischen Golf bis zur palästinensischen Mittelmeerküste. Das dient einerseits der leichteren Verteidigung und andererseits wird auf diese Weise gewährleistet, um zu garantieren, dass die zu konstruierende Pipeline durchgängig auf britisch kontrolliertem Gebiet verlaufen wird.
Dabei stoßen sie auf folgende Probleme:
Erstens: Frankreich will Großbritannien Palästina nicht zugestehen. Es besteht die Gefahr, dass das Gebiet nach dem Krieg unter internationale Verwaltung fällt. Um sich die Unterstützung der Zionisten zu sichern, versichert Großbritannien 1917 in der Balfour-Deklaration, der Schaffung eines jüdischen Staates in Palästina wohlwollend gegenüberzustehen.
Zweitens: Das Gebiet, welches Großbritannien den Franzosen zugestanden hat, hat es zur selben Zeit auch Scherif Hussein von Mekka versprochen, bzw. dessen Sohn Faisal, um diesen zu einem Aufstand der Araber gegen die Osmanen zu bewegen.
Nach dem Krieg fallen Palästina, Jordanien und der Irak unter britisches Mandat, bzw. die Briten teilen ihr Herrschaftsgebiet in drei Bereiche, die sie „Palästina“, „Transjordanien“ und „Irak“ nennen, während Frankreich das Mandat über Syrien und den Libanon erhält. Dabei ist „Mandat“ nicht zu verwechseln mit „Kolonie“: Die Briten und Franzosen haben die ehrenvolle Aufgabe, die frischgebackenen „Iraker“, „Jordanier“, „Syrer“, „Libanesen“ und „Palästinenser“ in die Selbständigkeit zu führen. Wann diese „Mündigkeit“ eintritt, entscheiden die selbsternannten Vormunde. Dass die Araber diese Bevormundung strikt ablehnen, spielt keine Rolle: Als der syrische Kongress Faisal zum König ausruft, entfernen die Franzosen ihn mit Militärgewalt. In Mesopotamien begehren die Einheimischen gegen die Fremdherrschaft auf. Die Briten, die von der heimischen Presse bereits wegen der hohen Kosten der Besatzung attackiert werden, sehen sich gezwungen, Faisal als König im Irak einzusetzen, wenn sie ihre Truppen nicht ganz aus der Krisenregion zurückziehen wollen. So werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Araber fühlen sich nicht mehr ganz so sehr betrogen, obwohl Großbritannien mittels des Mandats der eigentliche Herrschaft über den Irak bleibt – und billiger ist es auch, denn der Irak erledigt die ganze Verwaltungsarbeit selbst, das Risiko von Aufständen ist reduziert, wodurch das britische Truppenkontingent reduziert werden kann.
In Transjordanien, welches ebenfalls unter britischem Mandat steht, herrscht Faisals Bruder Abdullah als König.

(1) Quelle Bild: James Barr „A Line in The Sand“

Advertisements