1962-1967
Die Offiziere, die hinter dem Staatsstreich stehen, hatten bei ihrem Unterfangen die Unterstützung Saudi Arabiens und Jordaniens, der einzigen beiden verbliebenen arabischen Königreiche. Durch die Union Ägyptens und Syriens als Ausdruck von arabischem Nationalismus hatten diese ihre Herrschaft bedroht gesehen.
Am 1. Dezember werden Wahlen abgehalten.
Nasser indes kann der neuen syrischen Regierung nie so richtig vergeben, dass auf ihr Bestreben hin das Experiment einer arabischen Union gescheitert ist. Durch Propaganda, u. a. in Form von Radiosendungen, versucht er, sie zu unterminieren. Seine Agenten infiltrieren Syrien und verteilen Zuschüsse an die richtigen Leute.
Nach einigen unruhigen Wochen, während derer sich die Baath-Partei und andere Parteien sich wieder zu regenerieren versuchen, kommt es schließlich Anfang 1962 zu einem versuchten Staatsstreich, der aber abgewehrt werden kann. Am 8. März 1963 schließlich gelingt einer Offiziersgruppe, bestehend aus Baathisten, Nasseristen und einigen Unabhängigen, die Machtübernahme. Ein Notstandsgesetz wird eingeführt [1]. Während die Nasseristen die Wiederbelebung der Arabischen Union anstreben, bejahen die Baathisten zwar prinzipiell eine Arabische Union mit Ägypten – aber nur unter für Syrien günstigen Bedingungen. Innerhalb der neuen Regierung setzen sich die Baathisten schnell durch. Als die Baath-Partei zum ersten Mal wirklich die Macht übernimmt, sieht sie sich mit unerwarteten Problemen konfrontiert: In Scharen strömen die Menschen vom Land nach Damaskus und erwarten nun von Verwandten, die hohe Ämter innehaben, dass diese ihnen einen Posten in der Verwaltung verschaffen. Erwartungsgemäß sind diese neuen Beamten ihrer Verantwortung nicht gewachsen, so dass der Handel in Syrien fast zum Erliegen kommt und aus der Bürokratie eine nahezu uneinnehmbare Festung wird. Da die Armee nun unter der Kontrolle der Baathisten ist, welche in erster Linie arabische Nationalisten sind, läuft Syrien trotz seinen guten Beziehungen zur Sowjetunion nicht Gefahr, ein sowjetischer Satellitenstaat zu werden.
Im Juli 1963 versuchen sich die Nasseristen an einem Staatsstreich. Es kommt zu Feuergefechten in Damaskus, hunderte sterben, bis schließlich der Putschversuch abgewehrt werden kann.
Die Baath-Regierung erfreut sich nicht unbedingt größter Beliebtheit: Die Händler stoßen sich an der Tendenz der Baathisten zu Nationalisierungen auf, in den Moscheen wird die Baath-Partei zum „Feind des Islam“ ausgerufen. Sunnitische Aktivisten organisieren Demonstrationen sowie Streiks von Ladenbesitzern. 1964 muss sogar die Armee eingesetzt werden, um einen Aufstand niederzuschlagen, der ausgebrochen ist, nachdem Demonstranten einen Baath-Aktivisten erschlagen hatten.
Im Februar 1966 setzen sich die Neobaathisten [2] gegen die Aflaqisten durch. Zum Staatsoberhaupt wird Nureddin Mustafa al-Atassi ernannt, doch die wahre Macht liegt in den Händen des zweiten Sekretärs der Partei, Salah Jadid. Die neue Regierung setzt auf einen harten Kurs gegen diejenigen, die noch unter osmanischer Herrschaft zur privilegierten Klasse gehört hatten. Nationalisierungen sind an der Tagesordnung. Die Gesellschaftshierarchie wird quasi umgestülpt.
Das gereicht Syrien zum Nachteil, als sich die Spannungen mit Israel verschärfen und schließlich im Sechstage-Krieg entladen: Nachdem ein Drittel der Offiziere aus der Armee entfernt worden war, waren die Posten mit unerfahrenen Reservisten aufgefüllt worden, welche überproportional aus ländlichen Familien stammten.
Der Streitpunkt zwischen Syrien und Israel sind dieses Mal die Quellflüsse des Jordan. Einer entspringt in Syrien (der Hermonfluss in den Golanhöhen), einer im Libanon (Hasbani) und einer in Nordisrael. Mit anderen Worten: Nur einer davon befindet sich auf israelischem Territorium. Seit 1964 hat Israel damit begonnen, Wasser aus dem See von Genezareth für Bewässerungssysteme („National Water Carrier“) abzuführen, was im Einklang mit dem Johnston-Plan von 1955 ist. Das arabische Expertenkommitee hatte dem unter amerikanischer Vermittlung entstandenen Johnston-Plan, der das Wasser des Jordan/See Genezareth nach Quoten an die umliegenden Länder verteilen soll, zugestimmt – allerdings war der Plan niemals vom Rat der Arabischen Liga ratifiziert worden. Dennoch hatte sich die Arabische Liga zunächst in technischer Hinsicht an den Johnson-Plan gehalten. Nach der Suezkrise hatten sich jedoch die Fronten zwischen Israel und den arabischen Staaten zunehmend verhärtet, und die Arabische Liga (mit Ausnahme Jordaniens) beschließt nun, den Johnston-Plan zu bekämpfen, indem sie 1965 den „Headwater Diversion Plan“ ins Leben ruft, im Rahmen dessen der Hisbani und der Hermonfluss in den Yarmouk umgeleitet werden sollen, bevor sie den Jordan erreichen. Syrien macht sich an den Bau des Kanals, der den Hermonfluss und den Yarmouk verbinden soll, doch Israel, das angekündigt hat, dass es ein solches Projekt als Verletzung seiner Hoheitsrechte betrachten würde, führt im April Luftschläge gegen den Kanal auf syrischem Territorium durch.

Palästinensische Guerillas, viele von ihnen enteignete Flüchtlinge, piesacken Israel vom Tag seiner Gründung an. Nun wird auch Israels Landeswasserleitung (National Water Carrier) zur Zielscheibe. Im Mai 1967 tritt Generalstabschef Yitzhak Rabin für eine Vergeltungsmaßnahme gegen Syrien [3] ein, einschließlich der Besetzung von Damaskus und des Sturzes des Regimes.
Die Situation eskaliert, als die Falschmeldung die Runde macht, Israel würde Truppen entlang der syrischen Grenze zusammenziehen. Nasser, der als führender Kopf der arabischen Welt gilt, wird von anderen arabischen Staaten seine Untätigkeit vorgeworfen, zumal ein Verteidigungsbündnis zwischen Ägypten und Syrien existiert. Er beginnt, Israel zu drohen, obwohl seine Armee nicht in einem Zustand ist, der es ihr ermöglichen würde, den Sieg über Israel davonzutragen. Er macht sein Recht geltend, dass die UN-Blauhelme, die seit der Suezkrise an der Grenze zu Israel stationiert gewesen waren, abgezogen werden. Er kündigt an, Israels Hafen Eilat am Golf von Akaba blockieren zu wollen – Israels einziger Zugang zum Roten Meer – und schließt auch wirklich die Straße von Tiran für die israelische Schifffahrt. Jordanien geht eine Defensivallianz mit Ägypten ein, die seine Armee im Kriegsfall einem ägyptischen General unterstellen würde. Nasser hofft auf eine diplomatische Lösung wie im Falle der Suezkrise, doch Israel nimmt seine Drohungen ernst: Am 5. Juni greift es an.

[1] Die Aufhebung dieses Notstandsgesetzes ist es, das von den Demonstranten 2011 gefordert wird.
[2] Sie tragen dem Gründer der Baath-Partei, Michel Aflaq, nach, dass dieser zugunsten einer Union mit Nasser die Auflösung der Partei zugelassen hat.
[3] welches es er als indirekt verantwortlich für die Sabotageakte sieht

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